Folgenschwerer Hausbesuch eines Bereinigers

Bellendes Husten vor der Tür.

»Hallo, ich bin Paul, möchte mich kurz mit dir unterhalten – darf ich?«
Blöde Frage. Sollte ich Nein sagen, mit einer Knarre vor der Stirn?

»Komm 'rein, dachte schon, du ließest dich gar nicht mehr blicken. Gibt wohl viel zu tun.«
Immer höflich bleiben, nicht aggressiv werden, lächelnd die Wumme ignorieren, nicht einnässen.

»Hör mal zu. Du denkst so viel Scheiße, das stinkt einigen Leuten gewaltig, regt sie auf, und nun fordern sie deinen Kopf. Sprich ein Gebet und bleibe locker.«
Auch noch scheinheilig beten, kniend, verzückter Blick und so...

Haarscharf reflektieren, dachte ich, irgendein Arschloch fühlt sich auf den Schwanz getreten, schickt mir einen Spezialisten an den Hals – nur wer?
Habe keine Schulden, begleiche meine Stromrechnungen, liebe mein Land über alles, bin glücklich und zufrieden, Minimalist wie Lebenskünstler, ziehe in keinen Krieg, achte Gesetze, klage und verklage nicht...  Kurz porträtiert, in aller Bescheidenheit: Ich bin der gehorsamste Depp unter deutscher Sonne.
Aufgrund mangelnder Kenntnisse verzichtete ich darauf, schlagkräfige Bibelsprüche zu zitieren (Auge um Auge ...), schrieb eine eidesstattliche Erklärung, dass ich des Teufels sei, ein gottloser Moralprediger mit Linksdrall, Morgenlandsympathisant, Freizeitterrorist, Sozialschmarotzer, – und weitaus schlimmere Geständnisse.

Paul grinste breit, zeigte mir eine Silberkugel mit eingraviertem Namen (meinen!), schob sie in sein goldbestücktes Maul und spuckte sie mir unter die Schädeldecke.
«Willkommen in der Hölle!«

Mein trauriges Ende überraschte mich nicht wirklich.

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