Aufsatz von Rudi H., Klasse 4d – Thema: 4-Klassen-Gesellschaft

Hallo. Ich bin der Rudi :-(
Ich bin in der 4d, weil ich für die 4a als zu blöde eingestuft wurde. Das meinte jedenfalls der Arsch von Rektor, und der sagte auch, dies hatte er kommen sehen, weil meine Eltern auch nix auf die Beine bringen – außer den Rudi.
 :-(
Mein Vater ist bei einer Baufirma Verputzer, aber nicht im Winter, da beantragt er Stütze beim Amt :-(
Meine Mutter putzt auch ständig, weil wir sonst nix Ordentliches auf den Teller kriegen, putzt für drei Euro den Dreck von anderen Leuten weg, die so viel Kohle verdienen, dass sie sich eine Billigputze leisten können und damit noch rumprahlen. Die schaffen nix, schaffen aber an und lassen anschaffen, egal, wer dafür seinen Arsch hinhalten muß. Sauerei!
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Ich wollte ja mal aufs Gymnasium, bin aber schon bei meiner Einschulung schräge angepisst worden, da meine Fremdsprachenkenntnisse unter aller Sau waren, kein Wirtschaftsenglisch verstand und Global Player mit Fußballspieler verwechselte. Andere Schulanfänger waren schon im Kindergarten Juristen oder Zahnärzte, bevor sie nur eine einzige Honorarrechnung berechnen- oder eine Briefkastenfirma gründen konnten – pralle Schultüten und so.
Ab der 5d geht's dann lehrplanmäßig darum, mein Wissen für den Ernst des Lebens aufzustocken (Anträge auf Hartz IV zu begreifen), damit ich mir – nach erfolgreichem Abgang von der Hauptschule –  meinen Lebensstil als Leiharbeiter selbständig erarbeiten kann.
Bis dahin verfeinere ich fleißig meine Sozialkompetenz im Leistungskurs Hartzvierkunde, in der Hoffnung auf ein »sehr gut« im Abschlussbericht der Volksschule.

Rudi H., Volksklasse 4d, Bedarfsschule :-(

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